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Juli 2020 – Herzlichen Glückwunsch an Lionel de Cala, neuer Bürgermeister von Allauch!

Mit dem komfortablen Wahlergebnis von 59,67 % der Stimmen ist der 36jährige Lionel de Cala am 28.6. zum Bürgermeister von Allauch gewählt worden. Es war spannend, denn normalerweise hätte die Stichwahl zwischen ihm und dem an zweiter Stelle stehenden kürzlich verstorbenen vorherigen Bürgermeister Povinelli stattgefunden. Doch nach dem plötzlichen Tod Povinellis hatten sich dessen Anhänger in verschiedene Lager gespalten und alles war wieder offen. Beim letztjährigen Weihnachtsmarkt in Allauch hatten wir schon ausgiebig Gelegenheit, mit Monsieur de Cala an unserem Stand zu sprechen und wussten von seiner Begeisterung für die Partnerschaft. Er hat sich sehr zu unseren Gratulationen gefreut und hofft, dass wir uns bald wiedersehen können, um die Kontakte zwischen unseren Gemeinden weiter zu intensivieren. So freuen wir uns auf gute Zusammenarbeit! Und die Tatsache, dass nun in beiden Partnerstädten zwei fast gleich junge Bürgermeister walten, die schon beide gespannt sind auf einen ersten Besuch in der jeweiligen Partnerstadt, ist doch ein gutes Zeichen für die Zukunft der „jumelage“!

Juni 2020 – Allauch erwacht langsam wieder zum Leben

Normalerweise hätten wir im Juni von unserer Busreise nach Allauch geschwärmt und uns gemeinsam die schönen Erinnerungsfotos angesehen. Doch ist in diesem Corona-Jahr alles anders, und nach den schweren Wochen und Monaten in Frankreich freuen wir uns, dass nun auch bei unseren Freunden in Allauch ganz langsam ein Hauch von Normalität einkehrt. Chantal Bertin, die dortige Komiteevorsitzende, schrieb uns Anfang Juni: „Wir fühlen uns wie neugeboren, seit die Strände wieder geöffnet haben, wenn auch mit Einschränkungen: An den „dynamischen Stränden“, wo man sonnenbaden darf, muss man online einen Platz vorreservieren, an den „statischen Stränden“ darf man kein Handtuch auslegen, sondern sich nur im Wasser aufhalten. Auch die Calanques bei Marseille sind nun wieder zugänglich. Überall sind Hinweisschilder, was erlaubt und was verboten ist, und alles wird polizeilich überwacht. Aber wir sind nun „grüne Zone“ (statt orange oder rot), und die Cafés und Restaurants durften wieder öffnen. Zu Pfingsten konnten wir endlich wieder zur Messe in unsere Kirche St. Sébastien im Zentrum von Allauch gehen, wo uns unser Pfarrer, Père Lepoutre mit Freuden empfing. Wir wurden wie VIPs plaziert, mit gebührendem Abstand zueinander, und statt eines Händedrucks oder einer Umarmung haben wir einfach Blicke getauscht, und das Lächeln war über unseren Masken zu erkennen. Père Lepoutre hat es während der letzten 12 Jahre durch seine einfache und doch effektive Art geschafft, die Allaucher Bürger für das Gemeindeleben zu interessieren. Er hat etliche Jugendbewegungen ins Leben gerufen und war auch immer an unserer Partnerschaft sehr interessiert - bei allen offiziellen Anlässen war er anwesend. Schade, dass er am 1. September in Ruhestand gehen wird. “ Wie bei uns finden auch in Allauch traditionelle Veranstaltungen nicht statt. Das betrifft im Juni besonders schmerzlich die festlich-fröhliche Saint-Jean-Woche rund um die Sommersonnenwende, die immer im Zeichen des geselligen Beisammenseins steht. Entfallen werden Künstlermarkt, Eröffnungsball, Boulewettbewerb, Gesangswettbewerb der Jugend, Kindertag mit Spielen und Lotterie, das große Festessen auf öffentlichen Plätzen und vor allem der Höhepunkt am Wochenende: das Sonnwendfeuer und die Umzüge. Für das Feuer werden insbesondere Nadelhölzer und Wacholder aufgeschichtet, die spektakulär brennen und dabei einen würzigen Duft verbreiten. Um 21Uhr treffen sich Vereine und Bevölkerung mit Lampions zu einem großen Umzug durch die Stadt bis zum Feuer, das vor der malerischen Felsenkulisse der Freilichtbühne entzündet wird und großräumig abgesperrt ist. Gesangs- und Tanzdarbietungen finden statt - verschiedene Folkloregruppen tanzen rund um die hohen Flammen die „Farandole“ , einen historischen provenzalischen Volkstanz zur Musik der Tamburins und „fifres“ (Einhandflöten). Im Jahre 2011 hatte unsere Vaterstettener Reisegruppe Gelegenheit, in bayrischer Tracht am Umzug teilzunehmen und die „Farandole“ mitzutanzen. Ein kräftiger Wind ließ damals die Flammen besonders hoch in den Himmel steigen und die Funken fliegen – welch ein Erlebnis! Wenn dann – erstaunlich schnell - das Sonnwendfeuer heruntergebrannt ist, darf man traditionell über die Glut springen, was Glück für die Zukunft bedeuten soll. Ursprünglich sprangen die mutigsten jungen Männer über die glühenden Kohlen, um anwesende Mädchen zu beeindrucken. Glaubt man den Überlieferungen, so fand dann tatsächlich innerhalb eines Jahres die Hochzeit mit der Angebeteten statt. Auch heute noch springen viele Anwesende über die Glut, sogar Vaterstettens verstorbener Altbürgermeister Martin Berger tat dies vor Freude über den herzlichen Empfang in Allauch bei seinem allerersten Besuch. Dass dieser Sprung auch Glück für die Partnerschaft Vaterstetten-Allauch brachte, davon zeugen die vergangenen 38 Jahre. Den feierlichen Abschluss der Festwoche bildet dann am Sonntagvormittag ein wunderschöner großer folkloristischer Umzug mit Pferd- und Eselsgespannen aller Art, wobei alle Teilnehmer in Tracht gekleidet sind. Danach findet um 12.00 Uhr eine Auktion in provenzalischer Sprache statt, „la vente du gaillardet“ – der Verkauf eines reich verzierten Pferdezaumzeugs für einen guten Zweck. Auch der jedes Jahr neu gestaltete St. Jean –Teller wird nun vom Festkomitee zum Verkauf freigegeben. Die „Grande cavalcade“, ein Reiterumzug mit prächtig geschmückten Pferden und Wagen sowie am Abend ein Aperitif und Aioli-Essen (gekochtes kaltes Gemüse mit sehr viel Knoblauchmayonnaise) in allen Bars und Restaurants von Allauch beenden die Festwoche zur Sommersonnenwende. Wie schade, dass auch diese schöne Veranstaltung in diesem Jahr ausfallen wird!

Mai 2020 – Abschied von Allauchs Bürgermeister Roland Povinelli

Wir trauern gemeinsam mit unseren französischen Freunden um Bürgermeister Roland Povinelli, der am 11.5. im Alter von 78 Jahren nach einem Herzinfarkt verstorben ist. Schon mit 18 Jahren engagierte er sich in der Politik, trat 1972 in den Gemeinderat von Allauch ein und wurde am 5.10.1975 zum 1. Bürgermeister gewählt – ein Amt, das er 45 Jahre lang bekleiden sollte. Sein starker Charakter, seine große Erfahrung machten ihn schon Ende der 70iger Jahre zu einem der meistgeschätzten Politiker des Departements Bouches du Rhône, und für seine Gemeinde Allauch hat er in dieser langen Zeit unendlich viel geleistet. Das Wohl der Bürger, der Ausbau und die Modernisierung Allauchs mit Augenmaß, der Schutz der Natur lagen ihm immer am Herzen, und seine Bürger honorierten dies mit 8maliger Wiederwahl. Im Jahre 2008 wurde Roland Povinelli als Senator für das Departement Bouches du Rhône nach Paris berufen, eine Tätigkeit, die er voller Stolz neben seinen Bürgermeisterpflichten ausführte. In den letzten Jahren wurde es ruhiger um ihn wegen gesundheitlicher Probleme - trotzdem stellte er sich für seine sozialistische Partei am 15.3.2020 noch einmal zur Wiederwahl. Zwar erreichte er keine Mehrheit, kam jedoch in die Stichwahl, die aber aufgrund der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, so dass er bis zum heutigen Tage Bürgermeister blieb. Roland Povinelli war oft in unserer Gemeinde zu Gast und auch bei offiziellen Anlässen der Städtepartnerschaft in Allauch anwesend, denn die „jumelage“ Vaterstetten-Allauch war ihm sehr wichtig. Im Jahre 1982 hatte er voller Überzeugung für die deutsch-französische Freundschaft mit seinem hiesigen Kollegen, dem Anfang März verstorbenen Altbürgermeister Martin Berger den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet und bei „runden Geburtstagen“ der Partnerschaft mit Altbürgermeister Peter Dingler und Landrat Robert Niedergesäß erneuert. Ein außergewöhnlicher Mensch mit einer außergewöhnlichen politischen Laufbahn hat uns heute verlassen – wir werden Bürgermeister Roland Povinelli ein ehrendes Andenken bewahren.

April 2020 – Es kommt oft anders als man denkt

Das Jahr 2020 hatte so gut angefangen: Beim ersten Stammtisch im Januar gab es eine Verlosung der Reise nach Allauch sowie vieler Produkte aus der Provence, die vom Weihnachtsmarktstand der Franzosen übrig geblieben waren. Außergewöhnlich viele Besucher sorgten für eine ausgelassene Stimmung, und man spürte die Vorfreude auf alles, was für die kommenden Wochen und Monate vom Allauchvorstand geplant worden war. Aber nun hat jeder von uns wieder einmal feststellen müssen, dass so manches im Leben anders kommt als man denkt.

Nachdem wir noch am 4.10.2019 den 100. Geburtstag von Altbürgermeister Martin Berger, dem Begründer der Partnerschaft mit Allauch, mitfeiern durften, so mussten wir Anfang März von ihm Abschied nehmen. Wir sind froh, dass wir uns im Oktober noch persönlich bei ihm für seinen engagierten Einsatz für die Partnerschaft bedanken konnten.

Bei unserem geplanten März-Stammtisch wollten wir uns noch einmal mit unserem französischen Gastschüler Ulysse Schaff zusammensetzen, doch angesichts der Grenzschließungen musste er vorzeitig nach Aix en Provence zurückfliegen. Beim Internationalen Stammtisch vom 9.3. hat er ausgiebig über seine 6 Monate bei uns berichtet. Welch wunderbare partnerschaftliche Aktion war dies - nochmals tausend Dank besonders an Familie Skowronek, die ihn so herzlich aufgenommen hat, aber auch an die Lehrer und Schüler des Humboldt Gymnasiums, wo er sich sehr wohl fühlte.

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sind unsere Termine im April und Mai: Stammtisch, Filmabend und auch die Hauptversammlung haben wir aus unserem Terminkalender erst einmal gelöscht. Sobald sich die Situation zum Guten ändert, geben wir neue Termine bekannt.

Auch unsere geplante Reise nach Allauch vom 2.-9.6. ist wohl mehr als fraglich geworden, doch wollen wir auf Wunsch des französischen Komitees die Entscheidung noch bis zum 1. Mai hinausschieben. Volksfest, Straßenfest, Oktoberfest – alles steht noch in den Sternen, der neue Corona-Virus wirbelt unser aller Leben durcheinander…

Doch es gibt auch Positives zu berichten von so viel neuer Hilfsbereitschaft in dieser unruhigen Zeit, dass wir gerne von einem Beispiel berichten möchten – natürlich in der Hoffnung, im Kreise unserer vielen Leser Nachahmer zu finden. Da inzwischen fast alle Restaurants und auch viele weitere Geschäfte unserer Gemeinde nun auf online-Bestellungen umgestiegen sind oder auf „drive-in“ und „to go“ - Gerichte, um nicht ganz unterzugehen, findet man eine immer wieder aktualisierte Liste z.B. auf www.b304.de, die sehr hilfreich ist. Nun hat eine Dame bei ca. 30 Familien in unserer Nachbarschaft folgenden Zettel eingeworfen: „Liebe Nachbarn, damit das Daheimbleiben leichter fällt, biete ich ab Montag einen kostenlosen Bringdienst der Mittagsgerichte vom Restaurant …… an. Ruft mich am Vorabend an oder schickt mir eine whats-app-Bestellung, Tel.Nr…. Am nächsten Mittag zwischen 12 und 12.30 Uhr bekommt Ihr die bestellten Mittagsgerichte warm geliefert. Es besteht kein direkter Kontakt. Ich stelle das Essen vor die Tür, klingle und das Geld wird passend in meine bereitstehende Box getan.“

Bei mir – Ursel Franz - hat es wunderbar geklappt und hervorragend geschmeckt, denn gewürzt war alles mit Nächstenliebe für Nachbarn und Unternehmen!

 

In diesem Sinne: BLEIBEN SIE GESUND!